Die Philosophie bewusster digitaler Produkte

Wie geht es dir heute?

Wenn du dich mit den aktuellen News beschäftigst, dann vielleicht nicht so gut. Es gibt so viele Krisen, mit denen wir Tag für Tag konfrontiert werden: Wirtschaftskrise. Geopolitische Krise. Gesundheitskrise. Wertekrise. Und natürlich die Klimakrise. Krisen sind allgegenwärtig, es fällt oft der Begriff Polykrise, der einen Zustand tiefer, sich gegenseitig verstärkender Krisen beschreibt. Da fühlt man sich manchmal ohnmächtig.

Oder aber, man hinterfragt sich selbst. Wir waren und sind ProduktMacher:innen, deren Job es seit 10 Jahren ist, digitale Lösungen für Unternehmen und Organisationen zu entwickeln. Lösungen, die helfen sollen, am Markt erfolgreich zu sein und zu bleiben. Haben wir uns dabei in den letzten Jahren bemüht, um den Ursachen und Auswirkungen der Krisen entgegenzuwirken? War es das Maximum, was möglich gewesen wäre, um positiven Impact zu generieren? Wahrscheinlich nicht immer. Geht da noch mehr und haben wir Luft nach oben, um die Sache besser zu machen? Definitiv!

Wir glauben, dass Wirtschaft und Technologie zwei der mächtigsten Hebel zur Verbesserung der menschlichen und planetarischen Lebensbedingungen sind. Durch unsere Arbeit können wir diese Hebel direkt beeinflussen, um die Lage zu verbessern. Unsere Kraft zur Gestaltung entsteht durch unsere Arbeit mit Kund:innen. Für uns kann es im Grunde dafür nur noch ein einziges Briefing geben: digitale Technologie im Sinne von nachhaltigem Wirtschaften formen und nutzbar zu machen.

Genau darauf aufbauend haben wir die Philosophie der conscious digital products – oder auf Deutsch, der bewussten digitalen Produkte — entwickelt. Sie ist eine Theorie des Wandels, um von einer extraktiven Nutzung der Technologie und einem exponentiellen Konsumverhalten zu einer regenerativen und verantwortungsvollen Art und Weise überzugehen. Sie hilft uns, eine große Ambition – durch digitale Produkte die Welt schrittweise zum Besseren zu verändern – in unsere tägliche Arbeit zu übersetzen.

Wie funktionieren bewusste digitale Produkte?

Bewusste digitale Produkte haben einen besonderen Charakter, der in fünf Dimensionen erkennbar wird:

Problem-Dimension

Bewusste digitale Produkte lösen systemrelevante Probleme. Anstatt individuelle Bedürfnisbefriedigung ins Zentrum zu stellen, ermächtigen sie Nutzer:innen, einen bewussten Beitrag zu unserem kollektiven Wohlergehen zu leisten. Sie schaffen individuellen Nutzen, indem sie Mehrwert für betroffene Stakeholder und Communities herstellen.

Langfristigkeits-Dimension

Bewusste digitale Produkte zeichnen sich durch ihre Langfristigkeit aus. Anstatt kurzfristige Ziele zu priorisieren, schaffen sie dauerhafte Werte durch bewusste Folgenabschätzung. Sie schaffen unmittelbaren positiven Impact, ohne auf Kosten der Zukunft zu gehen, und hinterlassen damit ein nachhaltig positives Erbe.

Verhaltens-Dimension

Bewusste digitale Produkte fördern nachhaltige Verhaltensweisen. Anstatt das Nutzerverhalten vorrangig im Interesse ihres Geschäftsmodells zu manipulieren, befähigen sie Nutzer:innen, bewusste Gewohnheiten zu bilden. Sie schaffen Profitabilität, indem sie nur so viel Aufmerksamkeit wie nötig in Anspruch nehmen.

Zugänglichkeits-Dimension

Bewusste digitale Produkte sind maximal zugänglich. Anstatt Barrieren zu akzeptieren, leisten sie bewusste Inklusion für alle Nutzer:innen. Sie erweitern dadurch Zielgruppen, vergrößern den Impact des Produkts und sind besser zu bedienen.

Transparenz-Dimension

Bewusste digitale Produkte sind transparent und schaffen Transparenz. Anstatt Informationen als reinen Wettbewerbsvorteil zu verstehen, sind sie auf Business Netzwerke orientiert und befördern dafür bewusste Erkenntnis. Sie schaffen dadurch wertvolle Schnittstellen, die ihren Nutzen vergrößern.

Diese Eigenschaften nutzen wir als Richtschnur für die Entwicklung von digitalen Lösungen mit unseren Kund:innen. Dabei spielt es zunächst einmal keine Rolle, ob tatsächlich alle oder zunächst nur einzelne dieser Dimensionen in einem Produkt zum Tragen kommen: jeder Schritt in die richtige Richtung zählt, jedes Unternehmen kann dazu einen Beitrag leisten, jede Entwicklung in Richtung eines bewussten digitalen Produkts ist besser als nichts zu tun oder nur darüber nachzudenken. Auch wenn zunächst nur einige dieser Dimensionen sich in digitalen Lösungen wiederfinden, ist es ein Bemühen in die richtige Richtung. Veränderung entsteht immer in kleinen Schritten. Klar ist für uns aber auch: in Zukunft wollen wir keine digitalen Lösungen mehr entwickeln, die den Ansprüchen von bewussten digitalen Produkten nicht versuchen gerecht zu werden. Denn dafür haben wir schlichtweg keine Zeit mehr.

Welche Voraussetzungen braucht es, um bewusste digitale Produkte zu entwickeln?

In der Entwicklung digitaler Produkte hat unsere Branche schon längst gelernt, mit hoher Geschwindigkeit und Fokus auf kontinuierliche Iteration Schritt für Schritt voranzukommen. Agilität ist hier nur eines der Schlagworte.

Um bewusste digitale Produkte zu entwickeln, braucht es jedoch noch weitere Voraussetzungen, die wir als DPM-Faktoren bezeichnen. Wir glauben, dass bewusste digitale Produkte dann gelingen können, wenn drei Dinge zusammenspielen.

(D) Sie müssen von diversen Teams entwickelt werden: Multi-Stakeholder-Perspektiven und Beiträge mit unterschiedlichem Hintergrund machen bewusste digitale Produkte überhaupt erst möglich, dann relevant, und bringen sie insgesamt schneller an den Markt.

(P) Sie müssen standardmäßig auf pragmatische Lösungen setzen: bewusste digitale Produkte bauen empathisch auf der Ist-Situation eines Unternehmens auf und folgen einer realistischen, messbaren Vision.

(M) Ihnen muss eine maßgebliche Sinnhaftigkeit zugrunde liegen: bewusste digitale Produkte bauen auf einer authentischen und sinnhaften Absicht auf, die die Menschen hinter dem Produkt auszeichnet und die dadurch jeden Prozessschritt der Entwicklung solcher Produkte prägt.

DPM Office

Warum wir diese Philosophie aufgeschrieben haben

Mit der Philosophie bewusster digitaler Produkte möchten wir unsere eigene Arbeit auf ein neues Level heben und mit einem neuen Anspruch versehen. Sie markiert für uns einen Neustart, obwohl sich in vielerlei Hinsicht damit auch ein Kreis schließt. Denn vor vielen Jahren begannen wir unsere Arbeit mit Kund:innen unter dem Eindruck der Lean Startup Methodologie, deren großes Motto war und ist: Verschwendung vermeiden. Auch wenn der Fokus dieser Methode eher dem prozessualen Effizienzgewinn gilt als jenem inhaltlichen Gestaltungsmandat, das die Philosophie bewusster digitaler Produkte prägt, so sind sie doch eng miteinander verbunden.

Und natürlich erfinden wir hier kein komplett neues Rad. Mit unserer Absicht und Intention stehen wir nicht allein: Die von Whole Foods-Gründer John Mackey ins Leben gerufene Conscious Capitalism Bewegung setzt sich beispielsweise dafür ein, dass Unternehmen ethisch und auch im Interesse der Gesellschaft und Umwelt agieren. Das vom ehemaligen Google Mitarbeiter Tristan Harris gegründete Center for Humane Technology ist eine laute Stimme dafür, die digitale Infrastruktur unseres täglichen Lebens mit Blick auf mentale Gesundheit, Demokratie und kollektivem Wohlergehen zu entwickeln.

Trotzdem glauben wir, dass die Philosophie bewusster digitaler Produkte einen Platz in der Welt haben sollte. Denn für Menschen wie uns – Digitalberater:innen, Designer:innen, Entwickler:innen und Produktverantwortliche – geht es weniger um theoretische Diskussionen und große Debatten. Wir setzen uns jeden Tag mit einer Vielzahl von kleinen Entscheidungen auseinander, die zusammengenommen die Produkte, an denen wir arbeiten, prägen. Mit der Philosophie bewusster digitaler Produkte beschreiben wir konkret das Zielbild, worauf diese Entscheidungen von nun an einzahlen müssen. Wir manifestieren damit den praktischen Anspruch an unsere eigene Arbeit für Kund:innen, die ihren positiven Impact auf die Welt vergrößern möchten. Und mindestens genauso wichtig: wir laden damit alle Produktmacher:innen in der Welt dazu ein, daraus Inspiration für ihre eigene Arbeit zu ziehen.

Denn wir sind viele.